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Russische Sammlungen

Seite eingerichtet: 1/12/05 Letzte Aktualisierung der Seite: 22/12/2008

Russische Forschungen in Chinesisch-Turkestan

Die Ausdehnung Russlands nach Turkestan (Taschkent, Samarkand und darüber hinaus) beförderten sowohl das russische als auch das internationale Interesse an Zentralasien und verschaffte Russland und seinen Verbündeten einen Zugang zu einer Region mit wachsender geopolitischer Bedeutung. Die russische Regierung stand bereits in dem guten Ruf, mit Hilfe der 1845 von Wissenschaftlern und Forschern, die Erfahrungen bei Expeditionen von der Arktis bis nach Zentralasien gemacht hatten, gegündeten Russian Geographical Society (RGS) wissenschaftliche Forschung zu unterstützen und die Forschungsergebnisse Wissenschaftlern in der ganzen Welt zugänglich zu machen. Von den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts an begann die RGS, Expeditionen nach Zentralasien zu entsenden, um die Region zu kartographieren, den Handel zu erleichtern, strategische Informationen zu erhalten und politischen Einfluss zu sichern, aber auch Erkenntnisse für die Gelehrten in Botanik, Zoologie, Entomologie, Geographie, Ethnographie und Archäologie zu gewinnen. Zum Zwecke der Finanzierung arbeitete die RGS mit anderen russischen Institutionen und Einzelpersonen zusammen, und im Ergebnis durchquerten zwischen 1870 und 1920 viele russische Expeditionen die Region.

In den Jahren zwischen 1860 und 1880 konzentrierten sich die Expeditionen von Przhevalsky (unten), Ioann-Albert Regel und anderen auf die Kartographierung, die Botanik und die Zoologie, aber man begann auch über archäologische Funde zu berichten. Regel beschrieb 1878 zerstörte Tempel und buddhistische Relikte im Gebiet von Turfan. Gregor Nikolaevich Potanin, der zwischen 1876 und 1892 vier Expeditionen über zehntausende von Meilen durch das Gebiet führte und Pflanzen, Vögel und Proben von Säugetieren gesammelt hatte, beschrieb ebenfalls Ruinen im Wüstensand. Andere wie M.M. Berezovski und Koslow (unten) nahmen an den botanischen Expeditionen von Potanin, Przhevalsky und anderen teil und wendeten sich danach der archäologischen Forschung zu. Berezovskys archäologische Ausgrabungen wurden von Oldenburg (unten) fortgeführt.

Der Soldat, Geograph und Amateur-Naturforscher Nikolai Michailowitsch Przhevalsky (1839–88) führte zwischen 1870 und 1885 vier große Expeditionen durch die Wüste Gobi nach Tibet und durchquerte ebenfalls die Taklamakan von Nord nach Süd. Er besichtigte auch Dunhuang und die Mogao-Höhlen und berichtete über im Sand vergrabene Ruinen bei Lop Nor. Przhevalsky starb 1888 zu Beginn seiner fünften Expedition in den Ausläufern des Tianshan. Die Expedition wurde ohne ihn fortgeführt. Zu seinen Errungenschaften zählen detaillierte Karten und der Transfer von Hunderten botanischen und zoologischen Proben nach St. Petersburg, darunter viele neue Arten. Przhevalsky gilt heute vor allem als der Entdecker einer Wildpopulation baktrischer Kamele und einer einzigartige Rasse mongolischer Pferde, die nach ihm benannt wurde. Zu seinen Veröffentlichungen zählen: Mongolia: The Tangut Country (1875) und From Kulja: Across the Tian Shan to Lob-Nor (1879). Kontrovers aufgenommen wurde sein letztes Buch, in dem die russische Annexion und Kolonisation des westlichen China, der Mongolei und Tibets angestrebt wurde (siehe IDP News 27).

Przhevalskys Arbeit wurde fortgesetzt von seinem Schüler Pjotr Kusmich Koslow (1863-1935), der an den letzten beiden Expeditionen Przhevalskys teilgenommen hatte und der danach bei mindestes sechs Expeditionen dabei war. Koslows erste unabhängige Expedition (1899-1901) führte ihn quer durch die Wüste Gobi an die oberen Abschnitte des Yangtse und des Mekong. Er erkundete dabei mehr als 6.000 Meilen für die RGS. Seine nach St. Petersburg gebrachten Funde beinhalten auch Muster 2.000 Jahre alter baktrischer Textilien.

The excavated stupa at Kharakhoto.

Während seiner Expedition von 1907-1907 erbrachte Koslow den vielleicht bedeutendsten russischen Beitrag zur Archäologie der Seidenstraße, als er die alte, im Sand vergrabene Stadt Kharakhoto freilegte (später von Aurel Stein ausgegraben: siehe auch IDP News 2), die von Dschingis Khan im Jahre 1227 zerstört worden war. Unter Koslows Funden waren hunderte von buddhistischen Statuen und Malereien, die er fotografierte und aufzeichnete. Er fand tausende Handschriften und Holzschnitte in der bis dahin unbekannten Sprache Tangutisch, die er nach St. Petersburg brachte. Koslows Funde in Kharakhoto sind in seinem Buch Mongolia and Amdo and the Dead City of Khara-Khoto (1923) beschrieben. Während seiner letzten Expedition in die Mongolei und nach Tibet (1923-1926) entdeckte Koslow mehre Königsgräber der Xiongnu.

Etwa 1898, zehn Jahre vor Koslovs tangutischen Entdeckungen, entsandte die RGS eine Expedition in das Gebiet um Turfan, die von Dimitri Aleksandrovich Klementz (1848-1914) geleitet wurde, dem Kurator des Museums für Anthropologie und Ethnographie (Kunstkamera) in St. Petersburg, das die Expedition finanzierte. Klementz wurde von seiner Frau, einer Botanikerin, begleitet. Er war der erste, der archäologische Ausgrabungen an der nördlichen Seidenstraße durchführte. Bedeutende Funde wurden um Karakhoja, Astana und Yarkhoto gemacht, darunter altuigurische, chinesische und Sanskrit-Handschriften, Fragmente von Malereien und Objekte mit Runeninschriften. Klementz teilte seine Funde mit Grünwedel (siehe Deutsche Sammlungen), der seine erste Turfanexpedition führte. Im Sinne der internationalen Zusammenarbeit berichteten auch Vasilii Vasilievich Radlov (1837–1918) und Sergei Fedorovich Oldenburg (unten) auf dem 12. Internationalen Orientalistenkongress in Rom 1899 über die Funde. Das und Steins Entdeckungen (siehe Britische Sammlungen) förderten das internationale Interesse an der Erforschung Zentralasiens. In Russland wurde die 'International Middle and East Asian Studies Association' gegründet, um die geographische, ethnographische und archäologische Erforschung in Angriff zu nehmen. Das russische Kommittee für zentral- und ostasiatische Studien unter Schirmherrschaft des russischen Zaren wurde zum Mittelpunkt der Forschungsgesellschaft, mit Radlov als Vorsitzendem und Oldenburg als dessen Stellvertreter. Ihr erklärtes Ziel war es, 'Expeditionen zu entsenden, um diese kulturellen Denkmäler und altasiatische Völker zu erforschen, um die alten Kulturwege zwischen verschiedenen großen Zivilisationen zu erhellen und allen internationalen Expeditionen Hilfe zu gewähren.' Das Kommittee, das dem Außenministerium unterstellt war, hatte die Befugnis, Repräsentanten an die Ausgrabungsstätten zu entsenden, Expeditionen zu organisieren und Bulletins in Russisch und Französisch zu veröffentlichen.

Im Jahr 1900 präsentierten Klementz, Oldenburg und Nikolai Ivanovich Veselovsky (1848-1918) ihre 'Notiz über die Organisation einer archäologischen Expedition in das Tarimbecken', in der sie betonten, dass die wirtschaftliche Entwicklung der Region ernsten Schaden für die archäologischen Stätten in diesem Gebiet bedeuten würde.

Sergej Fedorovich Oldenburg (1863-1934) verließ 1885 die Universität von St. Petersburg mit einem Abschluss in Indologie. Nach weiteren Studien in Frankreich, Großbritannien und Deutschland nahm er 1889 eine Dozentenstelle an der Universität von St. Petersburg an. Im Dezember 1916, unmittelbar vor der bolschewistischen Februarrevolution von 1917, wurde Oldenburg Direktor des Asiatischen Museums von St. Petersburg, und als das Museum in das Institut für Orientalistik umorganisiert wurde, wurde er am 4. April 1930 dessen erster Direktor. Nach der Revolution von 1917 wurde er als Bildungsminister in die Übergangsregierung berufen. Darüberhinaus war er Ständiger Sekretär der Akademie der Wissenschaften der UdSSR (1904-1929) und Herausgebers der Bibliotheca Buddhica series (1897–1934). Oldenburgs Forschung reichte von der Kultur- und Religionsgeschichte Indiens, buddhistischer Kunstgeschichte, literarischen Texten bis hin zur Folklore und Kunst Zentralasiens. Sein besonderes Interesse galt Serindia, dem weiten Gebiet zentral- und Ostasiens mit Tibet, der Mongolei und Nordwestchina. Das Studium serindischer Kulturen bildete den Schwerpunkt von Oldenburgs zwei archäologischen Expeditionen (1909-1910 und 1914-1915), bekannt als die Russisch-Turkestanischen Expeditionen.

Samuil Martynovitch Dudin (1863-1929).

Oldenburgs erste Russisch-Turkestanische Expedition (1909-1910) wurde vom Russischen Komitee für Zentral- und Ostasiatische Studien organisiert, zu einer Zeit, als die Funde der britischen, französischen und deutschen Expeditionen noch nicht publiziert waren, abgesehen von einem kleinen Teil von Grünwedels Funden (siehe Deutsche Sammlungen) und Steins erstem Expeditionsbericht (siehe Britische Sammlungen). Aus diesem Grund zog Oldenburg Grünwedel und Pelliot zu Rate und befragte sie zu Details ihrer jüngsten Forschungen, bevor er seine eigene Route und sein Expeditionsziel plante. Am 5. Juni 1909 brach die Expedition in St. Petersburg auf. Die Teilnehmer waren Oldenburg als Leiter, der künstlerische Fotograf Samuil Martynowitsch Dudin (1863-1929), (siehe unten und den Artikel von Menshikov in IDP News 14), der Bergbauingenieur Dmitri Arsenievich Smirnow und die Archäologen Vladimir Ivanovich Kamensky und Samson Petrovich Petrenko. Unglücklicherweise erkrankten die zwei Archäologen und mussten von Urumqi aus nach Russland zurückkehren. Die Expeditionsteilnehmer reisten mit der Eisenbahn von St. Petersburg aus nach Omsk und dann weiter mit dem Dampfschiff nach Semipalatinsk, wo sie ihre Ausrüstung in Empfang nahmen. Vollständig ausgerüstet und begleitet von einem Koch, einem Reitknecht und zwei Kosaken ging es weiter nach Chuguchak per Tarantasse (Pferdefuhrwerk). Gleich nach der Ankunft in Chuguchak am 22. Juni wurde ein Dolmetscher engagiert, Bosuk Temirovich Khokho aus Hami, und dann ging es weiter nach Urumqi und Karashar mit dem Knecht Bisambai, dem Koch Zakari und den zwei Kosaken Romanov und Silantiev.

Am 22. August wurde in Shikchin in der Nähe von Karashar mit Grabungen begonnen, um die Ruinen der Tempelanlage zu erforschen. Im Gebiet von Turfan setzte die Gruppe ihre Arbeit in Yarkhoto, Karakoja, Taizan, Kuritka, Tallikbulak, Sassikbulak, Sängim-agiz, Bäzäklik, Murtuk, Chikkankul , Toyukmazar, Sirkip und der Schlucht von Lamjin fort. Am 19. Dezember erreichte Oldenburg Kucha, wo er verschiedene Ausgrabungsstätten erkundete, darunter auch die Höhlentempel, um Ming-teng-ata, Subashi, Simsim, Kirish, Kizil, Kumtura, Torgalyk-akyp und Koneshahr. Oldenburgs Methode bestand darin, auf der Jagd nach archäologischen Ergebnissen klare und deutliche Fotografien zu machen und eine Vielzahl von Daten zusammenzustellen.

Im Jahr 1910 wurden die ersten Expeditionsfunde im Museum für Athropologie und Ethnologie in der Russischen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg präsentiert und kurz katalogisiert. 1931-1932 wurden sie in die Eremitage gebracht, wo seit 1935 Teile der Sammlung ausgestellt sind. Unter den Funden sind Wandmalereien, Malereien, Terrakotten, über 100 Handschriften (hauptsächlich in Brahmi-Schrift), Fotografien und Kartenskizzen der archäologischen und anderer Stätten.

Oldenburgs kurzer Expeditionsbericht wurde 1914 in (Ольденбург С.Ф. Русская Туркестанская экспедиция 1909–10 г.. Краткий предварительный отчет. C 53 таблицами, 1 планом вне текста и 73 рисунками и планами в тексте по фотографиям и рисункам художника С.М. Дудина и планам инженера Д.А. Смирнова. СПб., 1914) veröffentlicht.

An Oldenburgs zweiter russisch-turkestanischer Expedition (1914-1915) nahmen auch der Künstler V.S. Bikenberg, der Topograph N.A. Smirnov, der Ethnologe B.F. Romberg, zehn Assistenten und ein chinesischer Dolmetscher sowie derselbe Fotograf wie bei der ersten Expedition, Dudin, teil. Das Ziel der Expedition bestand darin, eine genaue Karte der Mogao-Höhlen in Dunhuang zu erstellen, mit jeder Ebene und genauen Längen- und Breitenmessungen, Bilder und Kopien der bedeutendsten Objekte und eine detaillierte Beschreibung der Höhlen anzufertigen. Am 20. Mai 1914 brach die Expedition in St. Petersburg auf, mit der Route Chuguchak-Gucheng-Urumqi-Anxi-Hami-Qianfodong - hier befanden sich die 'Höhlen der tausend Buddhas' bei Mogao in der Nähe von Dunhuang. Nach einer kurzen Untersuchung der Höhlen entschied man sich, sie nicht neu zu numerieren, sondern Pelliots Zählung zu folgen. Nur drei der Höhlen hatte Pelliot nicht numeriert, da sie erst nach seinem Aufenthalt dort gefunden worden waren, und diese wurden nun von Oldenburg benannt: A, B und C. Die genaue Untersuchung der Mogao-Höhlen begann am 24. August und endete am 25. November 1914. Oldenburgs Gruppe benutzte Buchstaben und Zahlen, um jede Statue und jede Malerei zu identifizieren, und machte genaue Aufzeichnungen von jedem Stück mittels Fotografien, Lageplänen, Skizzen und Notizen. Sie fanden viele Fragmente von Artefakten und Handschriften, die Oldenburg alle sorfältig sammelte. Von Personen aus der Gegend erwarb Oldenburg 300 Rollen. Auf der Rückreise von Dunhuang besichtigte er viele Fundstätten in der Turfanoase, die er auch während seiner ersten Expedition erkundet hatte.

Am 1. September 1915 wurden die Funde, die oft zerknittert und mit Löß und Lehm beschmutzt waren, in Bündel und Säcke gepackt und an das Asiatische Museum in St. Petersburg (oben) geschickt, die heutige St. Petersburger Niederlassung des Instituts für Orientalistik (IOS) und Teil der Russischen Akademie der Wissenschaften. Oldenburgs Sammlung von Dunhuang-Handschriften und -fragmenten wird heute immer noch im IOS in St. Petersburg aufbewahrt. Viele der Dunuang-Manuskripte haben verbrannte Ecken, weil über die Jahrhunderte immer wieder Menschen in den Höhlen bei Dunhuang Unterschlupf gesucht und Feuer entzündet haben. Die Notizen, Skizzen und Fotografien von der Expedition enthielten die einzige verfügbare Beschreibung bis zum Jahre 1957, als Xie Zhiliu seinen Katalog (Dunhuang yishu xulu (Catalogue of art at Dunhuang), Shanghai chubanshe, Shanghai, 1955) veröffentlichte.

Andere russische Expeditionen wurden geführt von K.G.E. Mannerheim (siehe Andere Sammlungen: Finische Sammlungen) und Sergej Efimovich Malov (1880-1957), der zwei Forschungsreisen (1909-1911 und 1913-1914) unternahm, um die Sprache und Kultur der Uiguren und der Menschen aus der Gegend des Lob Nor zu studieren. Malov lieferte die erste Beschreibung dieser Turkvölker.

Auch entsandte Diplomaten spielten eine aktive Rolle beim Sammeln von archäologischen und kulturellen Artefakten. Der bedeutendste Vertreter war Nikolai Fjodorovich Petrovski (1837-1908), der ab 1882 für 21 Jahre der russische Generalkonsul in Kashgar war. Petrovski hatte in der Region großen Einfluß; er war Gast bei Expeditionen von Sven Hedin (Schwedische Sammlungen) und Aurel Stein (Britische Sammlungen) und half ihnen bei ihren Reisearrangements. Er trug eine bedeutende Sammlung von Handschriften und Kunstobjekten zusammen, die er sowohl kaufte als auch bei eigenen archäologischen Forschungen fand. Er war insbesondere an dem Gebiet von Kashgar nach Kucha und Khotan interessiert und an dem Dreieck, das Kashgar, Khotan und Leh im Süden bilden. Wie sein britisches Pendant George Macartney (siehe Britische Sammlungen) erwarb Petrovski Handschriften und gedruckte Bücher in einer unbekannten Schrift, die später als Fälschungen entlarvt wurden.

Der folgende Abschnitt über die Sammlungen im Institut für Orientalistik beschreibt weitere Details der Sammlungen, die russische Abgesandte in Zentralasien gefunden haben.

Sammlungen: Inhalt und Zugang

1. Sammlungen im Institut für Orientalistik in St. Petersburg

Institut für Orientalistik, St. Petersburg

Das Institut für Orientalistik, St. Petersburger Dependance der Russischen Akademie der Wissenschaften, bewahrt eine Vielzahl von Handschriften aus Zentralasien auf, in Sprachen wie Chinesisch, Sanskrit, Tibetisch, Mongolisch, Tangutisch, Tocharisch, Uigurisch, Khotansakisch und Sakisch. Petrovskis Sammlung enthält hauptsächlich Manuskripte in Sakisch und Sanskrit (Brahmi) und eine Reihe tocharischer Dokumente. Die Sammlung von N.N. Krotkov, dem russischen Konsul in Urumqi und Kuldja, umfasst vor allem uigurische Texte und einige Fragmente von alten, auf Holz gedruckten Büchern aus dem 9. bis 14. Jahrhundert. Berezowkys Sammlung mit 136 Fundstücken bezeichnet zu jedem Fundstück die genaue Herkunft. Darüberhinaus bewahrt das IOS Sammlungen von I.P. Lavrov, dem Sekretär des Russischen Konsulates in Kashgar zu Beginn des 20. Jahrhunderts, auf, von A.I. Kokhanovsky, Stabsarzt des Russischen Konsulates in Urumqi, von F.F. Dyakov, Konsul in Kuldja, und von Malov. Das Orientalistenarchiv im IOS bewahrt Dokumente, persönliche Papiere und Karten von einigen der russischen Zentralasienexpeditionen auf, darunter die von Klementz, Malov und Oldenburg.

1.1 Die Tangutische Sammlung im IOS

Das IOS besitzt eine einzigartige tangutische Sammlung, die Koslovs Expedition aus Kharakhoto mitgebracht hatte. Ursprünglich waren Koslovs Funde im Museum des Zaren Alexander III (Russisches Museum), wurden aber 1911 in das Asiatische Museum (heute das IOS) gebracht. Die Sammlung besteht hauptsächlich aus Manuskripten und alten gedruckten Büchern in der toten Sprache der Tanguten, die im 10. Jahrhundert den Staat Xixia im heutigen Nordwestchina gründeten. Auch eine große Anzahl chinesischer Texte befindet sich unter diesen Materialien. Aleksei Ivanovivch Ivanov (1878-1937), Paul Pelliot, (der Russland 1910 besuchte) und Vassili Michailovich Alekseew (1881-1951) begannen mit einer Bestandsaufnahme der chinesischen Handschriften. Die Arbeit wurde fortgesetzt von Nikolai Aleksandrovich Nevsky (1892-1937) und von Konstantin Konstantinovich Flug (1893–1942). Eine vollständige Beschreibung des chinesischen Teils der Sammlung wurde veröffentlicht von Lev Nikolaevich Menshikov (1926–2005) (Меньшиков Л.Н. Описание китайской части коллекции из Хара-Хото. (Фонд П.К. Козлова). Прил. сост. Л.И. Чугуевский. М., 1984). Laut Menshikov befinden sich in der Tangutischen Sammlung des IOS etwa 660 chinesische Handschriften und gedruckte Bücher, die meisten mit buddhistischem Inhalt. Die Sammlung enthält außerdem historische Studien, konfuzianische Klassik, daoistische Arbeiten, Wörterbücher, Belletristik, Stiche und Drucke. Professor Jevgenii Ivanovich Kychanov setzt die Arbeiten am tangutischen Material weiter fort und hat über die Jahrzehnte eine Reihe von Katalogen und Übersetzungen publiziert. Professor Xenia Keppingarbeitete ebenfalls an den Dokumenten und hat mehrere Artikel veröffentlicht.

1.2 Die Dunhuang-Sammlung im IOS

Oldenburgs Sammlung mit dem Manuskripten von einer zweiten Expedition, die den Hauptteil der Dunhuang-Sammlung ausmachen, wurde aufgeteilt zwischen dem IOS und der Eremitage (unten). Die Sammlung enthält ebenfalls etwa 30 Handschriften aus Malovs Khotan-Expedition (1909-1910) und 183 Manuskripte, die Krotkov gesammelt hatte. Über 18.000 Fundstücke enthält die Dunhuang-Sammlung insgesamt, darunter 365 Rollen und eine große Anzahl von Fragmenten und kleinen Manuskripten. Der größte Teil der Handschriften ist buddhistisch, nur etwa 900 sind säkulare Texte.

Das Studium der Sammlung begann Ende der 20er Jahre mit der Arbeit des japanischen Forschers Kano Naoki. In den 30er Jahren begann Flug mit der Katalogisierung und Beschreibung des Dunhuang-Materials und veröffentlichte mehrere Artikel zu den wichtigsten buddhistischen und nicht-buddhistischen Handschriften. In den 50er Jahren wurde die Arbeit von vier Wissenschaftlern fortgesetzt: V.S. Kolokolov, (1896–1979), Menshikov, V. S. Spirin und S. A. Shkolyar. Bis 1957, als Menshikov zum Leiter der Dunhuang-Forschungsgruppe ernannt wurde, waren lediglich 3.640 Funde in der Sammlung iventarisiert (2.000 von Flug 1.640 von M.P. Volkova). Der Rest der Sammlung blieb eingelagert, so wie er angekommen war: in fünf Packen, einer Kiste und einem Sack. Es war daher dringend notwendig, Sand und Schmutz von den Funden zu entfernen und mit der Konservierung und Katalogisierung zu beginnen, bevor man die Sammlung beschreiben und studieren konnte. Später kamen M. I. Vorobyova-Desyatovskaya, I. S. Gurevich, I. T. Zograf, A. S. Martynov und B. L. Smirnov zur Forschungsgruppe dazu. Ihre vereinten Anstrengungen führten zu dem Katalog Description of the Chinese Manuscripts in the Dunhuang Collection at the Institute of the Peoples of Asia der 1963 und 1967 in zwei Bänden erschien. Der Katalog enthielt 2.954 beschreibende Einträge und wurde in thematische Abschnitte untergliedert. Im Jahre 1999 publizierte Shanghai Classics Publishing House diesen Katalog auf Chinesisch, und zwischen 1994–2000 17 Faksimile-Ausgaben der chinesischen Handschriften aus der Dunhuang-Sammlung des IOS. Zwischen den 60er und den 80er Jahren wurde die Katalogisierung und die Beschreibung von Menshikov, Irena Kwong Lai You und L.I. Chuguyevski (1026-2000) fortgesetzt.

1.3 Zugang zum Institut für Orientalistik, St. Petersburg

Um Zugang zum IOS zu erhalten, benötigen Sie ein Empfehlungsschreiben Ihrer Universität, Ihres Museums oder Ihrer Institution.

Die Öffnungszeiten des Lesesaals im Nowo-Michailosky-Palais (Dwortsowaja nabereschnaja, N 18) sind: Montag bis Freitag 10.00 bis 18.00 Uhr; Samstag und Sonntag geschlossen.

Es werden verschiedene Stücke der Sammlung ausgestellt. Bevor man diese Stücke jedoch sehen kann, ist eine vorherige Genehmigung einzuholen.

Die Abteilung für Östliche Handschriften und Dokumente des IOS verfügt über vollständige Inventarverzeichnisse und einen Karteikartenkatalog der Dunhuangsammlung, dazu zwei Kataloge, die die Sammlung beschreiben, 17 Bände der Faksimile-Ausgabe Dunhuang Documents Held in Russia und Mikrofilme des größten Teils der Sammlung. Zur Schonung der Originale werden die Wissenschaftler gebeten, zuerst die Faksimiles, die Mikrofilme und die digitalen Bilder zu benutzen. Die Orginale können nur in Ausnahmefällen und nur auf besondere Nachfrage eingesehen werden. Handelt es sich um besonders empfindliche Manuskripte, wird die Erlaubnis unter Umständen nicht erteilt.

Für weitere Informationen siehe die Webseite der Sammlung des Institut für Orientalistik.

2. Sammlungen in der Eremitage in St. Petersburg

In der Eremitage in St. Petersburg befinden sich ebenfalls Artefakte, die während zahlreicher Expeditionen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in Dunhuang, Bäzäklik, Kucha, Shikshin, Toyukmazar, Kumtura, Sassikbulak, Khotan, Kharakhoto usw. gesammelt wurden.

2.1 Die Oldenburg-Sammlung in der Eremitage

Publikation, die das Innere der Eremitage zeigt.

Im der Eremitage befinden sich Artefakte und archäologische Funde von den zwei Expeditionen Oldenburgs, darunter buddhistische Fahnen (66 Stücke), Fragmente buddhistischer Seidenmalerei (137 Stücke), Fragmente buddhistischer Malereien auf Papier (43 Stücke), Wandmalereien (24), Textilien (38), Handschriftenfragmente (8). Im Jahre 1910 wurden Wandmalereien, Textilien und Malereien von Oldenburgs erster Expedition an das Museum für Anthropologie und Ethnologie (Kunstkamera) der Russischen Akademie der Wissenschaften gegeben. 1931/1932 kamen sie wieder in die Eremitage zurück, wo seit 1935 Teile der Sammlung ausgestellt werden. Zusätzlich kamen Ende der 50er Jahre 71 Artefakte aus dem IOS als Leihgabe in die Eremitage. Die ganze Sammlung wurde restauriert, bevor N.V. Dyakonova, M.L. Rudova-Pchelina und Menshikov die Funde katalogisieren und erforschen konnten. Ausgewählte Stücke werden ständig gezeigt.

Das umfangreiche Archiv von Oldenburgs Expeditionen, darunter seine Tagebücher, Karten, Dokumente und 2.000 Fotografien, befindet sich ebenfalls hauptsächlich in der Eremitage, bis auf einen kleinen Teil, der im IOS geblieben ist. Nach seinem Tod ordnete seine Frau, E.G. Oldenburg, seine Papiere und tippte alles ab, darunter seine Feldnotizen, die sehr schwer zu entziffern waren. Die komplette Abschrift von Oldenburgs Archiv umfasst sechs Notizbücher und 834 Seiten. E.G. Oldenburg sah auch alle Fotoplatten der russisch-turkestanischen Expeditionen in der Sammlung der Eremitage durch, identifizierte sie durch den Vergleich mit Oldenburgs schriftlichen Aufzeichnungen der Höhlenbeschreibungen und fügte an das Ende jeden Notizbuches wichtige Abbildungshinweise hinzu. Die Artefakte und Dokumente von Oldenburgs erster Expedition nach Turkestan wurden von Shanghai Classical Publishing House in sechs Bänden veröffentlicht.

Zugang zu den Zentralasiensammlungen in der Eremitage

Die Eremitage, in der Dvortsovaya nabereshnaya Nr. 34, ist für Besucher jeden Tag außer Dienstag von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.

Ausgewählte Wandmalereien, Statuen und buddhistische Malereien auf Seide und Papier aus den Sammlungen von Klementz, Berezovsky und Oldenburg werden ständig in der Zentralasien-Galerie ausgestellt. Darunter sind buddhistische und Grabstatuen, Gefäße, Malereien und Wandmalereien aus Turfan, Sassikbulak, Toyukmazar, Shikshin, Kumtura und Khotan. Die Stücke aus Dunhuang (Artefakte, Fotos, Bilder und Karten) werden in einem separaten Raum gezeigt. Der größte Teil der Zentralasiensammlungen wird in der Eremitage gelagert.

Für weitere Informationen siehe auch die Webseite der Eremitage.

3. Sammlungen im Archiv der Russischen Geographischen Gesellschaft in St. Petersburg

Das Archiv der Russischen Geographischen Gesellschaft ist das älteste Archiv in Russland und wurde 1845 gegründet. Es stellt eine einzigartige Forschungsressource dar und enthält mehr als 60.000 Akten, von denen 13.000 ethnographisches Material auch aus Zentralasien enthalten. Darunter sind Reisenotizen, Abbildungen, Fotografien, Karten und ethnographische Objekte von den Expeditionen Przhevalsky, Potanins, Koslovs und anderen.

Für weitere Informationen siehe auch die Webseite des Archivs der Russischen Geographischen Gesellschaft (nur in Russisch).

Sammlungen: in IDP

Die Dunhuang-Sammlung im Institut für Orientalistik in St. Petersburg wurde als Teil von IDP digitalisiert. Die Arbeiten begannen am 1. Januar 2004, und die buddhistischen Rollen (mit der Signatur F-n) sind online verfügbar. Die Digitalisierung geht weiter, und 2008 wurde mit dem tangutischen Material begonnen. Eine Zusammenfassung nach Sprachen geordnet wird unten angezeigt.

Number of Manuscripts by Language/Script on IDP in Russia as of 23/08/2017

Bibliographie

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