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Französische Sammlungen

Seite eingerichtet: 1/12/05 Letzte Aktualisierung der Seite: 22/12/2008

Französische Forschungsreisen in Zentralasien

Masib, Ahmad, Haji, Abdullah with Kara-khoja outlaws at Panopa shelter huts.

Während des 19. Jahrhunderts unternahm Frankreich eine Reihe von Expeditionen in die verschiedenen Regionen Asiens von Vietnam bis zum Himalaja. Diese Expeditionen begannen als weitgehend geographische und naturwissenschaftliche Expeditionen, die neue Routen durch unerschlossene Gebiete bahnten und botanische und geologische Proben sammelten. Die Reisenden litten unter vielen Mühen wie Krankheiten, eisigen Temperaturen, Feindseligkeiten der Einwohner und Banditen. Im Verlauf des Jahrhunderts schlossen die Expeditionen immer mehr Disziplinen ein und erweiterten ihr Interesse hin zu den kulturellen Eigentümlichkeiten der gegenwärtigen und früheren Zivilisationen. Eine große Menge von Funden wurde regelmäßig zur Untersuchung nach Paris gesandt und erweiterte und konsolidierte so das wachsende Wissen über Botanik, Geologie, Topographie, Kartographie, Ethnographie, Archäologie und Linguistik. Diese Forscher (von denen einige in den folgenden Abschnitten genannt werden) ebneten den Weg für die Ausgrabungen an der Seidenstraße von Paul Pelliot und anderen an der Wende zum 20. Jahrhundert.

Die Forscher des 19. Jahrhunderts schließen den Geologen und Naturwissenschafter Victor Jacquemont (1801-32) ein, den ersten Franzosen, der ausgiebig das sich unter britischer Herrschaft befindende Indien bereiste. Von 1828 bis zu seinem Tod in Bombay 1932 überquerte Jacquemont den gesamten Subkontinent, einschließlich der entfernteren Teile des Himalaja. Er verzeichnete detailliert die Flora, Fauna und das Klima der Gebiete, die er besuchte; er entdeckte verschiedene neue Arten von Pflanzen und Säugetieren, und seine Korrespondenz und seine posthumen Publikationen hatten eine großen Einfluss in der wissenschaftlichen Gemeinde Frankreichs.

In den 1840er Jahren reisten die christlichen (katholischen) Missionare Évariste Huc (1813-60) und Joseph Gabet (1808-53), verkleidet als Lamas, in die Mongolei und nach Tibet und erreichten 1846 die tibetische Hauptstadt Lhasa, die zu der Zeit als verboten für Fremde galt. Huc sprach Chinesisch und hatte Buddhismus studiert. Er machte einige Notizen während seiner anstrengenden Reisen, aber in der Folge schrieb er mehrere Bände, die großen populären Erfolg innerhalb und außerhalb Frankreichs hatten.

Vor dem Ende des 19. Jahrhunderts unternahmen Gabriel Bonvalot (1853-1933) und sein Sponsor, der Prinz von Orléans, eine ausgedehnte Reise durch Chinesisch-Turkestan und Tibet bis nach Hanoi (1889-91), auf der sie zahlreiche topographische und zoologische Beobachtungen machten. Jules Dutreuil de Rhins (1846-1894) hatte Vietnam kartographisch dargestellt und bereiste, zusammen mit Fernand Grenard (1866-?), schwierige und oft neue Routen durch Khotan, Chinesisch-Turkestan, die Mongolei und Tibet (1890-94). De Rhins wurde 1894 in Tibet ermordet, aber Grenard kehrte mit einer spektakulären Sammlung sowohl von geologischen und archäologischen Proben, Fotografien und Karten als auch von astrologischen, barometrischen und anderen Daten zurück, die er in der Folge ausführlich veröffentlichte.

Zur Wende zum 20. Jahrhundert standen die Franzosen an der Seite der Engländer, Russen, Deutschen und Amerikaner, die alle um ihren Einfluss in Asien wetteiferten. Im Jahre 1900 zog der Boxeraufstand gegen westliche und christliche Einflüsse fremde Truppen, Journalisten und Abenteurer nach Peking. Unter ihnen war der junge französische Kämpfer Paul Pelliot, der nur vier Jahre später als Wissenschaftler zurückkehrte.

Paul Pelliots Expedition

Paul Pelliot, Sinologe (1878–1945).

1901 wurde die École française d’Extrème Orient (EFEO) gegründet, um das archäologische und linguistische Erbe der Region zu untersuchen. Der Sinologe Paul Pelliot (1878-1945) gehörte zu ihren Mitarbeitern, und 1905 wurde er von französischen Politikern und Wissenschaftlern ausgesucht, eine Expedition zur Kucha-Oase und nach Dunhuang zu leiten.

Pelliot sprach fließend Chinesisch und verschiedene andere Sprachen der Region und übernahm die Verantwortung für die archäologische, historische und linguistische Seite der Expedition. Er wurde von dem Armeearzt Louis Vaillant, der verantwortlich war für Topographie, Astronomie und Naturwissenschaften, und dem Fotografen Charles Nouette begleitet. Sie verließen Paris am 15. Juni 1906 und reisten 10 Tage lang mit dem Zug bis nach Tashkent. Von dort aus fuhren sie mit einem lokalen Zug weiter nach Andijan, wo sie sich daran machten, ihre Expedition vorzubereiten; am 11. August brachen sie mit 2 Kosaken und 30 Pferden zu einer zweijährigen Reise zu Pferd auf.

Ihr erstes Ziel, Ende August 1906, war Kashgar, welches bereits im Juni von Aurel Stein besucht worden war. Während der sechswöchigen Ausgrabungen in Kashgar sammelte Pelliot Manuskripte aus den drei Höhlen und den Tegurman Ruinen. Während er dort war, erfuhr er, dass die buddhistischen Höhlen in Kucha bereits einige Monate zuvor von Deutschen, Japanern und Russen besucht worden waren. Am 18. Oktober reiste die Expedition von Kashgar 300 Kilometer ostwärts und erreichte nach zwei Wochen die Ruinen der bereits von Sven Hedin ausgegrabenen Klosterstadt Tumshuk, wo Pelliot ein zuvor unentdecktes buddhistisches Heiligtum fand. Am 15. Dezember zogen sie weiter nach Kucha, wo sie am 7. Januar 1907 eintrafen. Die buddhistischen Hinterlassenschaften, die bereits von anderen vor ihm besucht worden waren, außer acht lassend, konzentrierte Pelliot sich zuerst auf Duldur-aqur (26. März bis 22. Mai 1907) im Süden von Kucha und in der Nähe von Kumtura. Die Funde schlossen alles, was von einer klösterlichen Bibliothek übriggeblieben war, sowohl 200 Fragmente in Chinesisch als auch das erste Manuskript in Brahmi-Schrift, ein. In der Gegend von Subashi, nordöstlich von Kucha (10. Juni bis 20. Juli), sammelte Pelliot mehr Fragmente, darunter 208 Sanskrit-Fragmente (Udarnavarga) auf Pappelholz. In Saldirang fand er Karawanenpässe und Holztäfelchen, die in der verlorenen Sprache von Kucha (Tocharisch B oder West-Tocharisch) beschrieben waren.

Nach acht Monaten in Kucha drängte die Expedition via Urumqi weiter nach Dunhuang, wo sie vom 12. Februar bis zum 7. Juni blieb. Vom 27. Februar bis zum 27. Mai kampierten sie in Mogao und untersuchten die ungefähr 500 Höhlen, die 'Höhlen der Tausend Buddhas', die Gemälde ab dem 4. Jahrhundert enthielten. Stein war der erste Reisende aus dem Westen, der diese Höhle besucht hatte, aber er hatte sich hauptsächlich auf die Bibliothekshöhle konzentriert und keine ausgiebigen Forschungen angestellt. Pelliot und Nouette machten sich daran, die Höhlen von Mogao und ihren Inhalt durch ausführliche fotografische und geschriebene Berichte systematisch und detailliert zu dokumentieren. Am 3. März wurde ihnen gestattet, die Bibliothekshöhle zu betreten, wo sie sowohl mehrere zehntausend Manuskripte in Chinesisch, Tibetisch, Sanskrit und Uigurisch als auch große Gemälde auf Seide, Hanf und Papier fanden. Pelliot wurde es gestattet, volle drei Wochen in der Bibliothekshöhle zuzubringen, wo er unermüdlich daran arbeitete, durch Tausende von Rollen zu gehen. Er suchte eine Reihe von religiösen, säkularen und lokalen Texten aus, von denen er annahm, dass sie neue Informationen enthielten oder von linguistischem Interesse waren. Ebenso sammelte er Statuen und Seidengemälde.

Im Juni 1908 brach die Expedition wieder auf und erreichte Xian am 28. September 1908. Dort verbrachten sie einen Monat damit, ihre Funde zu organisieren und sie für den Transport nach Peking und weiter nach Paris vorzubereiten. Nach fast zwei Jahren zu Pferd waren sie nun in der Lage, mit dem Zug von Zhengzhou nach Peking zu reisen. Vaillant und Nouette kehrten direkt auf dem Seeweg, ihre Expeditionsfunde in Kisten verpackt, nach Paris zurück, während Pelliot noch in Peking blieb, wo er einige Manuskripte, die er zu diesem Zweck zurückgehalten hatte, chinesischen Gelehrten vorführte. Auf diese Weise wurde die Gelehrtenwelt in Peking sich der Bedeutung der Entdeckung der Bibliothek in Dunhuang bewusst und gründete ein Komitee, welches die Regierung veranlasste, Repräsentanten zu schicken, das in der Höhle verbliebene Material herauszuholen (siehe Chinesische Sammlungen). Pelliot setzte seine Untersuchungen in Peking fort, und bevor er nach Paris zurückkehrte, erwarb er insgesamt 30.000 Bücher, mit denen eine Bibliothek zu regionalen Studien gebildet werden sollte.

Sobald er in Paris angekommen war, wurden die Bücher und Manuskripte an die Bibliothèque nationale gesandt, und die anderen Funde (Statuen, Fresken, Objekte und mehr als 200 Gemälde und Banner) wurden im Louvre aufbewahrt, wo einige ausgestellt wurden, bevor sie 1945-46 an das Musée Guimet überstellt wurden. Das französische Museum für Naturgeschichte erhielt Exemplare von 800 Pflanzen und 200 Vögeln, Säugetieren, Insekten und geologischen Mustern.

Einige Zeit nach seiner Rückkehr nach Paris 1909 begann Pelliot ein erstes Inventar der Manuskripte in chinesischer Sprache zu erstellen, welches er 1920 vollendete und 1923 veröffentlichte. Dazu publizierter er zahlreiche Artikel und Untersuchungen, einschließlich solcher zum Manichäismus und zum Nestorianismus in China, die bis heute maßgeblich geblieben sind. Pelliots Kollegen arbeiteten am Tibetischen und an den anderen Sprachen. Dies war eine langsame und mühsame Arbeit, und das Inventar wurde erst 1932 (durch Naba Toshida) fertiggestellt. Die Kompilation eines beschreibenden Katalogs der chinesischen Sammlung begann 1952 und ist heute fast fertiggestellt; alle Bände bis auf einen sind publiziert. Macel Lalous 'Inventaire des manuscrits tibétains' wurde 1939 veröffentlicht, und im selben Jahr wurden die 30.000 Bände, die Pelliot mitgebracht hatte, katalogisiert. Ebenso wurde eine Menge Katalogisierungsarbeit zu den Sanskrit, Uigurischen und anderen Handschriftensammlungen in der BnF durchgeführt. Von den anderen Funden sind sämtliche der Statuen, Gemälde und Fotografien katalogisiert und viele veröffentlicht worden.

Inhalt und Zugang

Tänzerin aus der Tang-Zeit (618-907).

Die 30.000 Bücher und alle Manuskripte, die Pelliot mitgebracht hatte, sind in den Sammlungen der Bibliothèque nationale de France verblieben, während sich das restliche Material im Musée Guimet, befindet; hierzu gehört auch die gesamte Sammlung von Nouettes Fotografien der Expedition sowie Pelliots Tagebücher und weiteres Archivmaterial.

1. Bibliothèque nationale de France (BnF)

1.1 BnF Sammlungen

Die Manuskriptsammlung stammt hauptsächlich aus der Bibliothekshöhle in Dunhuang und enthält viele säkulare Texte, die eine Grundlage für Studien zur ökonomischen, sozialen und zur Rechtsgeschichte des mittelalterlichen China bilden. Zusätzlich besitzt die BnF ca. 100 Münzen (6. und 7. Jahrhundert) aus der Kucha-Oase. Die Pelliot Sammlung in der BnF ist nach Sprachen in mehrere fonds (Sammlungen) unterteilt:

1.2 BnF Zugang

Die gesamte Pelliot Sammlung befindet sich im ursprünglichen Gebäude der BnF, dem Richelieu-Gebäude in der Nähe des Louvre im Zentrum von Paris. Alle Manuskripte sind auf Mikrofilm aufgenommen (und werden zur Zeit digitalisiert), da sie zu empfindlich sind, um ausgestellt zu werden und nur selten benutzt werden können. Pelliots 30.000 Bücher werden ebenfalls im Richelieu, zusammen mit den 100 Münzen, aufbewahrt.

Klicken Sie hier für Details zum Standort der BnF und den Öffnungszeiten (informations pratiques).

Um Zugang zum Lesesaal zu erhalten, muss man Leser in der BnF werden.
Klicken Sie hier für Informationen, wie man einen Leserausweis für das Richelieu-Gebäude erhält.

Leser können eine Erlaubnis, die Manuskripte oder Mikrofilme zu sichten, durch eine Email an die Abteilung für Orientalische Handschriftener bitten.

2. Musée Guimet

2.1 Sammlungen des Musée Guimet

Das Musée Guimet besitzt Gemälde aus Dunhuang und Kunstwerke wie Statuen, Gemälde und Banner von verschiedenen Fundstätten auf der Seidenstraße. Einige davon werden permanent in den Galerien ausgestellt. Sie sind in zwei Bänden reproduziert worden: Les arts de l’Asie centrale: La collection Pelliot du musée Guimet (Kodansha). Das Guimet hat ebenfalls mehrere tausend Glasplatten von Nouettes Fotografien erhalten; ebenso mehrere tausend Münzen und Pelliots detaillierte Notizbücher, in denen er angeblich jeden Fund und jede gesehene Inschrift festgehalten hat.

2.2 Zugang zum Musée Guimet

Das Museum ist täglich, außer dienstags, von 10.00 bis 18.00 geöffnet. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte die Website des Musée Guimet.

Französische Sammlungen auf der IDP-Webseite

Die BnF und das Musée Guimet waren Gründungsmitglieder von IDP. Ein großer Teil ihres Materials ist nun digitalisiert und wird hoffentlich bald online verfügbar sein.

Number of Manuscripts by Language/Script on IDP in France as of 25/02/2017

Bibliographie

Besuchen Sie diese Seite für Informationen zu Publikationen des Musée Guimet, des Collège de France / Centre de Recherche sur l'Asie Centrale et la Haute Asie.

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